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Geschlechtsidentität geht uns alle an!

Plakat Motivbeschreibung

„Nichts ist so, wie es scheint“ – Mann-Sein oder Frau-Sein bedeutet in unserer Kultur, dass wir zwei Geschlechter unterscheiden. Wenn ich ein Mann bin, bin ich keine Frau und umgekehrt. Dieses zweipolige, sich gegenseitig ausschließende Verständnis von Geschlecht prägt unseren Alltag. Am deutlichsten tritt dieses Geschlechterkonzept hervor, wenn es darum geht, welche sanitären Anlagen für welches Geschlecht vorgesehen sind.

Auf dem Motiv sind WC-Türen dargestellt, welche klassisch aufgeteilt sind in „Damen“ und „Herren“. Sie stellen das gewohnte, dabei jedoch unzureichende Konzept der Zweigeschlechtlichkeit dar. Ergänzt werden sie durch eine dritte Tür, die in der Mitte angeordnet ist mit der Aufschrift „Unbegrenzt“. Durch diese dritte Kategorie wird deutlich, dass die beiden anderen Kategorien „Mann“ und „Frau“ klar voneinander ab- und in sich begrenzt sind. Die dritte Tür soll darauf aufmerksam machen, dass sich die Gesellschaft nicht einfach in zwei Kategorien aufteilen lässt, weil innerhalb dieser Gesellschaft auch Menschen sind, die sich nicht einer der beiden Türen zuordnen lassen oder selbst zuordnen können. Die dritte Kategorie von Geschlecht lässt klar gezogene Grenzen vermissen. Warum stehen jedoch in allen drei Warteschlangen Menschen, die als Männer und Frauen erkennbar sind? Stehen sie falsch? Warum ordnen sie sich nicht zu den ihnen zugehörigen Türen zu?
Die Antwort ist, dass sich Geschlechtlichkeit eben nicht nur daran bemisst, welche Geschlechtsmerkmale ihnen bei der Entwicklung im Mutterleib mitgegeben wurden oder welche Kleidung und andere äußeren Merkmale sie sichtbar tragen, die in den Wahrnehmungsmustern anderer Menschen als „dem Manne zugehörig“ oder „der Frau zugehörig“ gelten. Die eigene Geschlechtsidentität ist unsichtbar. Sie macht sich nicht an Äußerlichkeiten fest und kann zu Äußerlichkeiten auch durchaus im Widerspruch stehen.
Die Geschlechtsidentität ist eine „kreative Eigenleistung“. Jede und jeder von uns bildet sie aus, in den ersten Lebensjahren und diese Ausbildung kann durch erzieherisches Einwirken kaum beeinflusst werden. Daher gibt es eben auch Menschen, die von anderen nach äußerlichen Merkmalen z.B. als Frauen eingestuft werden, während sie vielleicht unsichtbar eine männliche Geschlechtsidentität ausgebildet haben. Was hat aber Vorrang, wenn es darum geht, sich in die richtige Warteschlange bei öffentlichen Toiletten zu stellen? Sind es äußere Merkmale oder ist es die eigene innere Zuordnung? Kann man sich vielleicht gar zwischen den Geschlechtern verstehen und dadurch die Zugehörigkeit zur Kategorie „Mann“ und zur Kategorie „Frau“ ablehnen? Man kann!
Statistisch gesehen tun dies in Sachsen mindestens etwa 63.000 Menschen. Die meisten versteckt oder vorbewusst. Vorbewusst heißt, dass sie selbst merken, dass sie nicht nur einem der Geschlechter angehören, aber dafür eben keinen Begriff haben, da sie es gewohnt sind entweder Mann oder Frau sein zu sollen. Dies kann zu einer starken inneren Zerrissenheit führen, die sich in Rauschmittel- oder Medikamentenmissbrauch, in Aggressivität, Vandalismus und verletzendem Verhalten an sich selbst und anderen etc. ihr Ventil suchen kann.
Fragen Sie sich einmal, was es für sie bedeutet, ein Mann oder eine Frau zu sein? Stellen Sie sich vor, ein kleines grünes Wesen vom Jupiter käme voller Neugier zur Erde und fragt sie: Wie fühlt man sich als Mann oder Frau? Was würden Sie antworten? Erwischen auch Sie sich dabei erklären zu wollen, wie sich Frauen und Männer verhalten, welche Kleidung sie tragen, welche Berufe sie haben? Das war dann jedoch nicht die Frage. Die Frage war, wie man sich fühlt. Wie lässt sich das Gefühl beschreiben eine Frau oder ein Mann zu sein? Sie werden merken, dass es gar nicht so einfach ist, dies zu beschreiben. Die eigene Geschlechtsidentität lässt sich in klaren Grenzen kaum ausdrücken. Allerdings tragen wir dem in unserem Alltag keine Rechnung. Wir leugnen diese Unbegrenztheit aus dem Wunsch heraus, ein einfaches, zweipoliges Geschlechterkonzept zu haben, weil es uns das Gefühl von Sicherheit und Verstehen gibt. Trügerisch und fern der Wirklichkeit, aber gewohnt und einfach. Die Menschen, welche über die geschlechtlichen Grenzen hinaus leben sind uns anderen in vielen Punkten weit voraus. Sind wir in der Lage zu ihnen aufzuschließen oder die ihnen wenigstens Respekt zu zollen? Nichts ist so, wie es scheint! Geschlechtsidentität geht uns alle an, seien wir Männer oder Frauen oder ...grenzenlos.



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