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Geschlechterrollenverhalten geht uns alle an!

Plakat Motivbeschreibung

Zeiten im Wandel – Wer hätte das gedacht: Mussten in den 1960er und 1970er Jahren Frauen noch aktiv auf die Straße gehen, um durchzusetzen, dass sie selbst ihren Beruf wählen und kein Ehemann das Recht habe, den Job seiner Frau zu kündigen; dass sie selbst über sich und ihren Körper bestimmen und auch darüber, ob sie ein empfangenes Kind entbinden oder nicht; dass das Letztentscheidungsrecht des Mannes in der Ehe aufgehoben wird, finden wir heute Männergruppen, die sich zur Partei zusammenschließen, um für die Emanzipation des Mannes zu kämpfen (sh. www.maennerpartei.eu). Beinahe sechzig Jahre gesetzliche verankerte Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und immer noch Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, wo man hinblickt (und genau hinschauen möchte).

Das Motiv zeigt eine Szene, in der zwei Menschen in einem Büro zu sehen sind. Ein Mann steht hinter einem Kinderwagen und trägt seinem Vorgesetzten anscheinend den Wunsch vor, dass er sich eine berufliche Auszeit nehmen möchte, um sich um sein Kind zu kümmern. Er bittet um Erziehungsurlaub, heute Elternzeit genannt. Am Schreibtisch sitzt der/die Vorgesetzte und lehnt mit einem ungläubigen Lächeln diesen Wunsch ab. Der Mann ist entrüstet und fühlt sich benachteiligt. Einer Frau wäre der gesetzlich verankerte Anspruch auf Elternzeit sicher nicht so einfach abgesprochen worden. Ihm als Mann scheint dieser Anspruch nicht unbedingt gewährt werden zu müssen. Darunter ist zu lesen, dass in Sachsen statistisch gesehen etwa 4,2 Millionen Menschen von Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts betroffen sind. Die verstörende Aussage darin ist, dass alle Einwohner Sachsens mit Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts leben müssen. Zugegeben: Es gibt keine Studie, die dies belegen könnte. Die Aussage soll vor allem provozieren, dazu anregen, einmal tiefer gehend darüber nachzudenken, ob und wann einem das eigene Geschlecht schon einmal zum Nachteil wurde und wann man selbst schon einmal Entscheidungen aufgrund des Geschlechts des Gegenübers zum Nachteil fällte. Bei genauerer Überlegung erhält diese Zahl vielleicht doch einen Wahrheitsgehalt, wenn auch keinen empirisch belegbaren.
Das Motiv verstört vor allem auch gewohnte Gedankengänge, die geschlechtliche Diskriminierung eher mit Frauen verbinden. Auch Männer sind davon betroffen. Heute bei weitem mehr als noch vor vierzig oder sechzig Jahren. Männer und Frauen, die sich nicht entsprechend typisch männlich oder typisch weiblich verhalten, werden belächelt, müssen sich erklären, sind manchmal sogar Gewalt und Beschimpfungen ausgesetzt. Im alltäglichen zwischenmenschlichen Verhalten spielt die Einhaltung der traditionellen Geschlechtsrolle immer noch eine wesentliche Rolle. Das Verhalten hat sich zwar geändert. Das Denken jedoch kaum. Die dargestellte Szene ist sicher nicht aus der Luft gegriffen. Viele junge Väter überlegen zweimal oder dreimal, ob sie sich um ihren Nachwuchs kümmern und beruflich eine Auszeit nehmen. In der Regel werden Männer in ihren Berufen noch immer besser entlohnt als Frauen, so dass wirtschaftliche Argumente zunächst ausschlaggebend sind. Männer sind dann benachteiligt, weil sie sich nicht zwanglos für oder gegen die Erziehung ihrer Kinder entscheiden können. Frauen sind wirtschaftlich benachteiligt, wenn sie weniger verdienen als gleich gut qualifizierte Männer oder Schwierigkeiten haben, besser entlohnte Jobs zu bekommen, weil diese Jobs eben Männerdomänen sind. Die Furcht davor, belächelt zu werden, nicht als echter Mann zu gelten, wenn sich nach traditionellem Rollenverständnis eher um Aufgaben der Frau gekümmert wird, schreckt Männer wohl auch ab, so dass eine solche Frage wie die dargestellte kaum ernsthaft an den oder die Vorgesetzte/n heran getragen wird.



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