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Sexuelle Orientierung geht uns alle an!

Plakat Motivbeschreibung

Was heißt hier normal? – Wenn es darum geht, wen wir zu lieben, zu begehren haben und mit wem wir zusammen leben sollen, dann waren sich die Menschen schon immer über die Antwort einig: Männer lieben Frauen und Frauen lieben Männer. Hinter einer solchen Einstellung lebten und leben wir jedoch solange es Menschen gibt ganz andere Formen des Liebens und Begehrens aus und sind dabei nicht immer so eindeutig, wie wir zu sein vorgeben.

Auf dem Bild sitzen Menschen in einem Kinosaal. Sie geben sich zum größten Teil als Paare zu erkennen. Vielleicht sind es ja sogar Liebespaare, die hier zu sehen sind. Jede und jeder von ihnen hält ein Schild in der Hand. Verschiedene Symbole kann der Betrachter oder die Betrachterin wahrnehmen. Es fällt auf, dass die Symbole bei einigen Paaren identisch sind. Der junge Mann und die junge Frau rechts unten halten beide ein blaues Schild an sich. Die beiden jungen Männer darüber halten beide ein Schild in orange in den Händen. Alle anderen Paare zeichnen sich jedoch nicht durch identische Symbole aus und eine junge Frau links sitzt gar allein.
Die Symbole sollen für bestimmte sexuelle Orientierungen stehen, denen sich die Menschen auf dem Bild zugehörig fühlen. Die blauen Schilder mit dem verschlungenen Mars-Venussymbol stehen für heterosexuell, also für die Liebe zwischen Mann und Frau. Die Schilder in orange mit zwei verschlungenen Marssymbolen sollen schwul ausdrücken, also die Fähigkeit als Mann einen Mann zu lieben. Die grünen Schilder mit den verschlungenen Venussymbolen stehen dafür, als Frau eine Frau zu lieben, sprich eine lesbische Beziehung leben zu können. Je nachdem ob ein grünes Schild mit einem blauen oder ein Schild in orange mit einem blauen kombiniert wird, soll dies Bisexualität ausdrücken, was bedeutet, dass der- oder diejenige sowohl gleichgeschlechtlich als auch verschiedengeschlechtlich lieben und begehren kann. Die heterosexuelle, die bisexuelle, die lesbische oder schwule sexuelle Orientierung sind gemeinhin bekannt und werden hier und da verschieden stark akzeptiert oder abgelehnt.
Zwei weitere Symbole kann man jedoch auf dem Bild ebenfalls erkennen. Auf einem gelben Schild steht das Wort „Sex“ und ist gleichzeitig durchgestrichen. Dieses Symbol soll Asexualität als sexuelle Orientierung ausdrücken. Als asexuell lebend und lieben verstehen sich Menschen, die zwar durchaus in Beziehungen leben, in diesen Beziehungen eine körperliche Sexualität jedoch nicht ausleben möchten.
Weiterhin kann man erkennen, dass die junge Frau, welche mittig links sitzt ein Symbol in der Hand hält, was nur ein Venussymbol zeigt. Sie drückt damit aus, dass sie keine Liebesbeziehung eingehen wird, weil sie bezüglich gelebter Sexualität weder Männer noch Frauen begehrt. Als Fachbegriff dafür spricht man von Automonosexualismus oder Automonosexualität. Das männliche Pendant dazu wäre ein einzelnes Marssymbol.
Fünf mögliche sexuelle Orientierungen werden also auf dem Bild dargestellt. Verwirrend ist, dass bei einigen Paaren die sexuelle Orientierung nicht identisch ist mit der der Partnerin oder des Partners. Gleichwohl geben sie sich als Paare zu erkennen. Das Motiv drückt also aus, dass Menschen durchaus miteinander in (Liebes-)Beziehungen leben, obwohl die sexuelle Orientierung der Partner und Partnerinnen nicht immer dieselbe sein muss. Jeder und jede von uns also unterschiedlich stark homosexuelle und heterosexuelle Anteile in sich vereint.
Auffallend ist, dass nur ein einziges heterosexuelles Pärchen unten rechts zu sehen ist. Im Gegensatz zu den anderen Menschen sieht das Pärchen missmutig aus, so als ständen sie mit ihrer sexuellen Orientierung im Konflikt. Darunter ist zu lesen, dass statistisch gesehen in Sachsen etwa 211.000 Menschen von ausschließlicher Heterosexualität betroffen sind. Das Pärchen dreht in Verbindung mit dieser Aussage das vorherrschende Denkschema um, dass Heterosexualität das Normale und alle nicht-heterosexuellen Orientierungen nicht normal sind, davon abweichen, gar fälschlich als Krankheit wahrgenommen werden. Sexualwissenschaftlich gesehen ist es tatsächlich so, dass Menschen, die wirklich als ausschließlich heterosexuell einzuordnen sind, eher in der Minderheit sind. Gleiches gilt für Menschen, die ausschließlich homosexuell sind. Wie würden Sie sich einordnen? Vielleicht als heterosexuell? Dann sind sie womöglich Teil einer gesellschaftlichen Minderheit. Wie geht es Ihnen damit, zu einer Minderheit zu gehören? Sollte man Minderheiten überhaupt in politische Entscheidungen mit einbeziehen? Besteht unsere heutige Gesellschaft nicht zu einem großen Teil aus unterschiedlichsten Minderheiten? Gerade diese Umkehr vom herkömmlichen Denkmuster, Homosexualität als krank, anormal, als Minderheit wahrzunehmen, lässt Menschen mit vermeintlich heterosexueller Orientierung nachspüren, wie deprimierend es sich anfühlt, wenn man ständig auf seine sexuelle Orientierung reduziert wird und davon ausgehend Benachteiligungen aushalten muss. Was heißt hier normal? Es lohnt sich einmal genauer darüber nachzudenken, denn sexuelle Orientierung geht uns alle an.



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